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Schwierige Lage beim Rettungsdienst


Kreistagsabgeordneter Clemens Breest und Thomas Tilse bei der DRK-Rettungswache
Das Bild zeigt v.r.: Helmut Wittmann, Vorsitzender des Kreisverbands des DRK Friedberg, Karlheinz Weinert, Stellvertretender Vorsitzender des DRK Friedberg, Thomas Tilse, Stadtverordneter Bad Vilbel, Clemens Breest, Kreistagsabgeordneter, Christian Weisbecher, Rettungswachenleiter und Marco Laßmann, Bereichsleiter des DRK.

Grüne Abgeordnete besuchen Rettungswache Bad Vilbel

Bei medizinischen Notfällen wird sich selbstverständlich auf den Rettungsdienst verlassen. Nach Eingang eines Notrufs sollen die Rettungskräfte innerhalb von zehn Minuten bei der Patientin oder dem Patienten sein. Der Kreistagsabgeordnete Clemens Breest und der Bad Vilbeler Stadtverordnete Thomas Tilse haben sich kürzlich einen Eindruck von dem System gemacht, das diesen hohen Anspruch gewährleisten soll. Bei ihrem Besuch der DRK-Rettungswache tauschten sie sich mit dem DRK-Kreisverbandsvorsitzenden Herrn Helmut Wittmann, seinem Stellvertreter Herrn Karlheinz Weinert, dem Bereichsleiter Herrn Marco Laßmann sowie dem Rettungswachenleiter Herrn Christian Weißbecker aus.

Thomas Tilse und Clemens Breest schildern ihre gewonnenen Eindrücke: „Der Rettungsdienst befindet sich in einer prekären Lage. Die Rettungskräfte müssen oft ihre 12-Stunden-Schichten überziehen und sehen sich zudem immer häufiger mit einer unangemessenen Erwartungshaltung in der Bevölkerung konfrontiert. Um in Zukunft den hohen gesetzlichen Rettungsstandard für Notfälle halten zu können, braucht es dringend Entlastung für den Rettungsdienst, bevor er selbst zum Notfall wird.“

Hohe Beanspruchung des Personals im Rettungsdienst

Thomas Tilse (links) lässt sich die Ausstattung des Rettungswagen erklären

Das Personal im Rettungsdienst zeigt sich hochmotiviert. Während der Coronakrise fuhren sie selbstverständlich Sonderschichten. Auch wenn die Belastungen durch die Covid-19-Infektionen deutlich nachgelassen haben, hält die Beanspruchung der Rettungskräfte unvermindert an. Der Grund: Es fehlt zunehmend an Personal. „Manchmal können Rettungswagen morgens nicht zum Einsatz frei gemeldet werden, weil schlicht das Personal fehlt“, sagt DRK-Bereichsleiter Marco Laßmann. Doch dies ist nicht der einzige Belastungsfaktor. Das Anspruchsdenken der Bevölkerung ist größer geworden. Rettungswagen werden auch in Fällen gerufen, die eigentlich zu einem niedergelassenen Arzt gehören. Doch der Rettungsdienst unterliegt einer Transportpflicht, wie Herr Wittmann erklärt. Und so muss eine fahrende, vollausgestattete Intensivstation auch Patienten, die lediglich über Kopfschmerzen klagen, ins Krankenhaus fahren, wenn diese darauf bestehen. Clemens Breest sieht hier gesetzlichen Handlungsbedarf: „Es wäre für ein Krankenhaus unvorstellbar, wenn Patienten sich aufgrund der besseren Betreuungsquote selbst auf die Intensivstation einweisen könnten. Beim Rettungsdienst existiert diese absurde Situation leider. Dies führt zu einer zunehmenden Überlastung des Rettungssystems. Für einen Landkreis, wo nahezu jeder über ein Auto verfügt und es flächendeckende Taxiangebote gibt, ist es meines Erachtens nicht mehr zeitgemäß, dem Rettungsdienst auch Bagatellfälle aufzubürden. Dies gilt umso mehr, wenn die Rettungskräfte dadurch bei tatsächlich lebensbedrohlichen Fällen nicht mehr die Hilfsfrist einhalten können.“

Seit dem Wegfall des Ärztlichen Breitschaftsdienst deutlicher Anstieg der Einsätze

Thomas Tilse erkundigte sich, wie sich die Situation in Bad Vilbel darstellt. Hier wurde ihm versichert, wenn beide in Bad Vilbel stationierte Rettungswagen ausgerückt sind, im Notfall Kräfte aus Karben alarmiert werden. Einen signifikanten Anstieg der Einsätze in Bad Vilbel verzeichnete die Rettungswache, als vor einigen Jahren der Ärztliche Bereitschaftsdienst vor Ort geschlossen worden ist. „Deshalb lohnt es sich, darüber nachzudenken, wie das Rettungssystem grundsätzlich entlastet werden kann“, sagt Thomas Tilse, Abgeordneter im Vilbeler Stadtparlament. Aus der Diskussion mit den Mitarbeitern des DRK ergibt sich, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, lokal den Rettungsdienst zu unterstützen. „Für Bad Vilbel wäre es eine Entlastung, wenn in den Randzeiten und am Wochenende wieder auf einen Ärztlichen Bereitschaftsdienst vor Ort verwiesen werden könnte“, erklärt Tilse, „Wäre ein Bereitschaftsarzt mobil, wären sogar Hausbesuche möglich und der Transport einer kranken Person, der jetzt noch mit dem Rettungswagen absolviert wird, könnte ganz entfallen.“

Rettungsdienst demnächst mit Telemedizin unterwegs

Aber es gab auch Positives zu berichten. In Zukunft wird die Telemedizin auch in die Rettungswagen Einzug halten. Der Arzt wird dann aus dem Krankenhaus live in den Rettungswagen geschaltet. Daten von diagnostischen Geräten werden dem Arzt direkt übermittelt, so dass er mit seiner Expertise die Notfallsanitäter am Patienten unterstützen kann.

Gleichfalls positiv entwickelt sich der Anteil der Frauen im Rettungsdienst. Galt früher der Rettungsdienst als reine Männerdomäne, hat sich dies inzwischen deutlich gewandelt. Inzwischen wird das Personal der Wache in Bad Vilbel von gut 30% Frauen gestellt.

Mehr Aufmerksamkeit für die Lage des Rettungsdienstes

Für Thomas Tilse bleibt als Fazit aus dem Besuch: „Wir müssen das Thema Rettungskräfte und Gesundheitswesen mehr in den Fokus der Stadtpolitik nehmen, um die Versorgung für Bad Vilbel zu verbessern.“ Clemens Breest ergänzt: „Darüber hinaus werden wir in der Kreispolitik darauf achten, dass der Rettungsdienst, der im Verantwortungsbereich des Wetteraukreises liegt, selbst die notwendige Unterstützung erhält, um auch weiterhin schnell und professionell in Notfällen helfen zu können.“



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